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Boomerang – Zurück auf Los

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20. Kapitel

Rosa

„Bin ich Krösus? Drei Monate. Steht so im Vertrag.“

„Aber, wenn Sie vorher einen Nachmieter finden?“, fragt Rosa vorsichtig.

„Ich finde dann einen, wenn ich einen brauche.“

„Und wenn ich vorher einen Nachmieter finde?“

„Dann von mir aus. 920 Euro kalt.“

„Wie? Warum 920? Die Wohnung kostet 780 …“

„Für Sie war es ein Freundschaftspreis. Können Sie sich bei Justus bedanken.“

Na super. Wer soll denn für dieses Loch 920 Euro bezahlen. Selbst 780 sind noch zu viel. Von wegen Freundschaftspreis. Sie hat sich damals nur darauf eingelassen, weil sie es konnte und weil es nicht darauf angekommen war. Und weil sie die Lage gut fand. Und Justus.

„Herr Bode, bitte, ich …“

„940 Euro.“

„Was?“

„Sie stehlen meine Zeit und Zeit ist Geld.“

„Mit Verlaub, aber …“

„Finden Sie einen Nachmieter oder finden Sie keinen. Mir ist es egal. Sonst noch was?“

„Arschloch“, brummt Rosa und legt auf. Diplomatie war noch nie ihre Stärke. Sie brüht sich einen Kaffee und rechnet. Drei Monate, beinah 3.000 Euro. Das Geld könnte sie gut gebrauchen. Sie beschließt trotzdem nicht in Panik zu geraten. Es gibt immer eine Lösung. Auch wenn die Liste der Optionen in den letzten zehn Jahren deutlich geschrumpft ist. Die Option Finde-einen-reichen-Mann steht jedenfalls nicht mehr drauf. Noch nicht einmal Finde-einen-Mann.

Ihr letzter Versuch in dieser Richtung hat über Tinder stattgefunden und liegt fünf Jahre zurück. Eine Freundin hatte ihr von diesem Portal erzählt. Es wurde ein ziemlicher Reinfall. Die potentiellen Kandidaten hatten zu 85% in holzvertäfelten Wohnzimmern gesessen oder Cabrio-Selfies gepostet. Manchmal stand naturverbunden in den Profilen, und was das bedeutet, sollte sie schon bald erfahren. Erik ist so ein Fall gewesen. Versicherungskaufmann, 58, ganz passables Aussehen. Also hat Rosa nach rechts gewischt. Er schrieb ihr sofort. „Hey du, schön, dich hier zu treffen.“ Und dann: „Stehst du auf Wandern?“

„Eher nicht“, hat sie zurückgeschrieben und das war noch übertrieben. Sie hasst Wandern. Danach kam vom naturverbundenen Erik nichts mehr.

Der zweite hieß Klaus und war 61. Er schickte einen unaufgeforderten Sonnenuntergang und schrieb: „Bist du spontan?“

„Kommt drauf an“, hat Rosa geantwortet.

„Dann lass uns morgen treffen. 14 Uhr. Am See.“

Kein Fragezeichen, keine Option. Sie hat dankend abgelehnt und auch Klaus von der Liste gestrichen.

Nach vier weiteren „Hey wie gehts?“-Gesprächen, die jedes Mal im Nirgendwo endeten, und einer Einladung zu einem aufregenden Abend, hat Rosa sich von Tinder wieder verabschiedet.

Die Art von Liebe, die ihr vorschwebt, ist offenbar nicht mehr zu haben. Vielleicht erwartet sie auch zu viel. Oder hängt noch zu sehr an einer Welt, die es so gar nicht mehr gibt.

Rosa zieht eines der Fotos näher zu sich heran. Sie zusammen mit dem etwa zweijährigen Ben, sonnengebräunt und lachend am Strand der Algarve. Damals hat sie gedacht, ihr würden noch alle Türen offenstehen. Aber damals hat sie auch noch rund zwölf Kilo weniger gewogen und ihre schulterlangen Haare waren naturblond gewesen und das ganz ohne Friseur. Das war auch so eine Ungerechtigkeit des Alterns. Mit vierzig hat sie selbst im billigsten H&M-T-Shirt und ungeschminkt immer gut ausgesehen. Jetzt braucht sie morgens eine halbe Stunde im Bad und muss ihre Blusen in ganz anderen Größen und Preiskategorien kaufen. Bestenfalls kommt noch Bonita in Frage.

Sie seufzt tief und kommt wieder auf ihr Kernproblem zurück: Geld. Welche Optionen bleiben ihr? Eine Bank überfallen kommt nicht in Frage. Im Lotto gewinnen? Eher unwahrscheinlich. Bleibt also nur ein Wunder.

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