15. Kapitel
Conni
Sie trinken die ganze Flasche und reden. Der Wein macht Leni weicher. Sie erzählt von ihrem Leben als Mutter, in dem sie noch nicht richtig angekommen ist.
„Till hat gut reden. Er hat seinen Job, er hat Freunde, er geht Tennis spielen. Und ich? Was hab ich? Ein kleines Kind, das mir den ganzen Tag am Rockzipfel hängt. So hab ich mir das nicht vorgestellt.“
„Was hast du dir denn vorgestellt“, fragt Conni vorsichtig. Sie hat Angst, die Stimmung wieder zu verderben.
„Naja, ich dachte, ich studiere oder mache eine Ausbildung und dann …“
„Und dann?“
„Was willst du denn jetzt wissen?“
„Was dich davon ab abhält?“
„Na hör mal“, empört sich Leni. „Ich habe ein Kind.“
„Das hatte ich auch und ich habe trotzdem gearbeitet.“
„Ja, aber du hattest auch deine Eltern, die dich immer unterstützt haben.“
„Ich unterstütze dich doch auch. Und Emil kommt nach den Sommerferien in die Krippe.“ Sie überlegt kurz. „Nachmittags könnte ich einspringen. Außerdem hast du Till. Er muss halt auch seinen Teil beitragen. Das müsst ihr klären. Aber vorher musst du erst einmal wissen, was du eigentlich willst.“
Lenis Augen füllen sich mit Tränen. „Du kannst nicht anders, oder?“
„Was meinst du?“
„Du bist genau wie Juliane. Je kleiner ihr mich macht, desto größer könnt ihr euch fühlen. Was iiihr alles Tolles leistet und wie gut iiihr euer ach so sinnvolles Leben im Griff habt. Aber die Zeiten haben sich geändert, weißt du? Ihr habt nämlich keine Ahnung, wie es heute ist. Und ich habe bestimmt nicht vor, meine ganzen Jahre so zu vergeuden wie du das getan hast.“
„Wie kannst du das sagen? Ich habe meine Jahre nicht vergeudet, ich hatte euch. Und will dir nur helfen, Leni.“
„Aber deine Hilfe fühlt sich scheiße an. Ich bin nicht du, und ich will auch nicht ständig mit Julianes Maßstäben gemessen werden. Ich wollte etwas haben von meinem Leben, wollte etwas von der Welt sehen … und jetzt? Habe ich ein Kind und werde von allen Seiten unter Druck gesetzt.“
„Leni“, sagt Conni, jetzt doch schärfer als beabsichtigt. „Ein Kind zu haben ist immer auch eine Entscheidung. Du bist hier nicht das Opfer.“
Ihre Tochter steht auf und kippt den restlichen Wein in die Spüle. „Das sagt die Richtige.“