Es gibt diese Ideen, die völlig harmlos anfangen. Zum Beispiel mit einem Gespräch über eine geplante Lesung mit mir. Man sitzt zusammen, trinkt etwas, spricht über die Veranstaltung (welches Begleitmenü, welcher Rahmen, welcher Raum …), dann über Bücher – und plötzlich sagt jemand: „Man müsste eigentlich mal ein Literaturcafé machen.“
Sätze mit „eigentlich“ sind eigentlich wie weggeworfene Streichhölzer: Meistens verglühen sie folgenlos. Dieses Mal zum Glück nicht. Denn kaum war das Wort „Literaturcafé“ ausgesprochen, fingen Donita, Anna und ich schon an, den Gedanken weiter zu spinnen. Wie könnte ein mögliches Konzept aussehen. Und wo sollte es stattfinden. Das immerhin wussten die beiden sofort: Im roten Salon des DOMHOTELS. Man ließ mich den Raum sehen – und ich war begeistert. (Der rote Salon eignet sich für ein Literaturcafé nämlich ungefähr so gut, wie ein Liebesnest für einen Liebesroman.)
Blieb nur noch eine winzige Hürde: der Hoteleigentümer musste überzeugt werden. Ich hatte mich auf Schwierigkeiten eingestellt, vor allem finanzieller Art (Kaffee, Kuchen, Personal), aber schon nach wenigen Tagen kam die Nachricht von Anna: Wir haben das GO! Ach, wären doch nur alle Wege ins Kulturleben so unproblematisch und kurz.
Premiere mit Zimtduft und bei vollem Haus
Am 23. November war es dann so weit. Donita hatte aus dem roten Salon eine Art vorgezogenes Weihnachtsmärchen gebaut: warme Beleuchtung, dezente Deko, ein Bild von einem Weihnachtsbaum und ein Duftmix aus Kaffee und Zimt, der selbst Menschen ohne literarische Ambitionen glücklich machen würde. Für rund 25 Leute gab es Platz – und der war bald ausgeschöpft (ich habe übrigens selten erlebt, dass ein Raum schneller Zustimmung erfährt, als die eigentliche Idee, die für einen Moment sogar fast in den Hintergrund trat).
Ich durfte moderieren und habe versucht, dabei so wenig wie möglich wie eine Moderatorin zu wirken. Gesprochen habe ich (unter anderem) über das Schreiben an sich und über meinen Weg dorthin. Auch über den schwächelnden Buchmarkt und die neuesten Entwicklungen. Daneben habe ich an einem praktischen Beispiel erläutert was der für Autor*innen so wichtige Satz „Show, don’t tell bedeutet.
Dazwischen wurde viel gefragt, manchmal diskutiert und noch häufiger gelacht. Leute notierten sich Dinge, die ich eher als spontane Hirnprodukte bezeichnet hätte. Offenbar waren sie aber hilfreich. Wenn ich zu guter Letzt also jemanden „zum Schreiben inspiriert“ habe, zum Weitermachen und Nicht-Aufgeben, dann hat sich der Nachmittag auf jeden Fall schon gelohnt.
Die Zeit verging schnell – was ich immer als ein gutes Zeichen werte. Kaffee wurde nachgeschenkt, Kuchen gereicht, Gespräche führten zu weiteren Gesprächen, bis jemand am Ende sagte: „Wir hatten etwas ganz anderes erwartet.“ Andere stimmten zu und ich war kurz irritiert. Aber dann wurde mir klar, dass es freundlich gemeint war. Offensichtlich hatten manche mit einer viel sterileren Veranstaltung gerechnet. Bekommen haben sie: eine Mischung aus Wohnzimmergesprächen, Schreibwerkstatt und Unterhaltung.
Fast alle trugen sich in die Verteilerliste ein, manche formulierten schon Themenwünsche für die zweite Runde. Die ist dann für Ende Januar geplant.
Wieder im roten Salon, natürlich, weil: einen perfekteren Ort kann ich mir kaum vorstellten. Alles andere wird sich zeigen.