Skip to main contentSkip to footer

Von der Leipziger Buchmesse zum Exposé

Keine Kommentare

In unserer Veranstaltungsreihe Literaturcafé haben wir dieses Mal den ersten Fokus auf Leipzig gelegt. Die Buchmesse dort ist gerade zu Ende gegangen und hat in diesem Jahr rund 313.000 Besucher angezogen.

Schon immer fungiert sie als Seismograf, für das, was gerade gelesen wird. Man trifft auf neue Stimmen, erste Bücher und junge Autoren, die bereit sind, entdeckt zu werden. Das unterscheidet diese Veranstaltung auch maßgeblich von Frankfurt, denn während die Bücher in Frankfurt überhaupt erst Verträge bekommen, es also um eine Verkaufsmesse von Ideen geht, ernten die Ergebnisse in Leipzig dann später den Applaus.

Das Erzählen selbst verändert sich: Podcasts, Hörbücher, performative Lesungen und mediale Präsentationen zeigen, dass Texte nicht mehr nur für sich und still stehen, sondern sich bewegen.

Ganz Leipzig ist dabei eingebunden, in ganz Leipzig finden während der Messe Lesungen und Veranstaltungen zum Thema Buch statt.

Doch auch das kann nicht darüber hinwegtäuschen, dass sich das Leseverhalten geändert hat. Während klassische Unterhaltung schrumpft, wachsen andere Welten wie  Romantasy, Fantasy oder New Adult. Ein weiterer Trend, der gerade in Leipzig eine große Rolle spielt, ist die Manga-Comic-Con-Szene, unterstützt von vielen Fans, die sich aufwendig kostümieren und die Gestalt ihrer Lieblingsfiguren annehmen, um ihre Verbundenheit zu zeigen (nennt sich Cosplay).

Hier spielen auch Graphic Novels eine Rolle, ebenfalls gezeichnete Bücher, aber keine Comics für zwischendurch, sondern hochwertige Literatur in Bildern. Politisch, biografisch, vor allem klug.

Petra Quoos hatte einige Anschauungsobjekte mitgebracht und kurz erläutert, was sie an dieser Literaturform so besonders faszinierend findet und warum sie Graphic Novel für sich entdeckt hat. Für die sympathische Grundschullehrerin ist Lesen ein wichtiger Bestandteil des Lebens, und als ihre drei Söhne irgendwann das Interesse daran verloren haben, konnte sie sie mit dieser Buchform wieder ans Buch bringen.

Nach einer kleinen Pause mit Kaffee und Kuchen (ich mochte vor allem die Zitronenschnitten) ging es weiter mit einem kurzen Workshop zum Thema Exposé.

Was ist ein Exposé, worauf muss man achten und was sollte man auf jeden Fall vermeiden. Wie kürzt man ein Projekt von vielleicht 300 Seiten und mehr auf nur noch zwei bis drei. Das ist ein echter Stresstest und harte Arbeit. Aber es lohnt sich.

Denn kein Verlag investiert in ein Manuskript, wenn das Exposé so ein „Mal sehen, wo das hinführt“ Geschwurbel ist oder wenn es Behauptungen enthält, die nicht greifbar sind.

Es nutzt auch nichts, geheimnisvoll zu bleiben, im Gegenteil.  Alles muss auf den Tisch, Wendepunkte, Eskalationen, Brüche und – ganz wichtig – das Ende.

Es gilt: Ein gutes Exposé macht kein schlechtes Buch gut. Aber ein schlechtes Exposé sorgt zuverlässig dafür, dass ein gutes Buch nie gelesen wird.

Denn der Verlag liest nicht aus Wertschätzung, oder weil er so besonders kunstinteressiert ist, sondern aus ökonomischen Gründen. Er will verdienen, das ist die einzige Motivation. Und er erkennt sofort, ob jemand sein eigenes Buch verstanden hat.

An praxisnahen Beispielen konnte ich den interessierten Zuhörern und Hörerinnen abschließend noch einen anschaulichen Einblick in dieses spannende Thema geben, danach war Zeit für Fragen und Diskussion, die rege genutzt wurde. Ich werte das mal als ein Zeichen dafür, dass alle wirklich dabei waren und Interesse an den Themen hatten.

Auch der Bücherkoffer war wieder mit dabei. Viele Bücher wurden mitgebracht und haben neue Besitzer gefunden.

Wie ist deine Meinung dazu?

Abonnieren
Benachrichtigen bei
guest
0 Kommentare
Älteste
Neueste Meistbewertet
Inline-Feedbacks
Alle Kommentare anzeigen