Letzte Woche in meiner Regionalzeitung: Eine Verlegerin behauptet, ein Viertel der Menschen in Deutschland könne nicht mehr sinnentnehmend lesen, und etwa die Hälfte erkenne einen Fake nicht als solchen. Die schlechte Nachricht: Auch wenn sich diese Zahlen so nicht exakt belegen lassen – die Tendenz stimmt.
Lesen ist der Schlüssel zum Verstehen. Erst wenn wir Inhalte aufnehmen, sortieren und vergleichen können, entsteht so etwas wie Urteilskraft. Wer damit im Erwachsenenleben Schwierigkeiten hat, erlebt Nachrichten, politische Beiträge oder gesellschaftliche Debatten schnell als Überforderung und fühlt sich abgehängt.
Dieses Gefühl ist nicht harmlos. Es treibt Menschen in Extreme, lässt Begriffe wie Lügenpresse oder Sätze wie Die da oben lügen sowieso ohne Zögern ins persönliche Repertoire wandern. Und genau an diesem Punkt verlieren Fakten zunehmend an Gewicht. Gleichzeitig wird es immer schwerer, Meinung von Fakt, Wahrheit von Manipulation zu unterscheiden. Wer aber nicht prüft, ob eine Quelle vertrauenswürdig ist, hält Falsches für richtig – oft ohne jede böse Absicht.
So bequem es also ist, sich über Push-Nachrichten schnell auf Stand zu bringen: Wir sollten wissen, woher unsere Informationen kommen. Und wir sollten nur das weitergeben, was sich tatsächlich belegen lässt.
Darum plädiere ich übrigens seit Jahren für eine grundlegende Bildungsreform. Leseförderung von Anfang an. Medienkompetenz als Unterrichtsfach, nicht als Fußnote. Aufklärung darüber, wie man Fake News erkennt. Die beschriebenen Entwicklungen sind nämlich kein Naturgesetz. Wir können etwas dagegen tun. Wie müssen nur endlich anfangen die Dinge ernst zu nehmen.