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Ein perfektes Klischee

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Heute in der Zeitung – Heiner Lauterbach über die Rolle von Iris Berben (Alice) in der Kinokomödie „Ein perfekter Antrag“:
Das ist nicht so eine verhärmte Grüne, die im Bundestag Kinder säugt, sondern eine souveräne, selbstständige Frau, die trotzdem Humor hat.

Als ich das gelesen habe, war ich schon überrascht und habe mich gefragt: Seit wann schließen sich Souveränität, Humor, Mutterschaft und grünes Engagement denn gegenseitig aus?
Aber klar. Heiner Lauterbach ist ein Mann. Und das Bild, das hier aufgerufen wird, ist ja gerade unter Männern sehr beliebt:
Zuerst die „verhärmte Grüne“ – angeblich freudlos, ideologisch, humorlos, moralisch überlegen. Und dann auch noch stillend im Bundestag.
Mir zeigt es vor allem, dass „verhärmt“ nicht nur ein politischer Begriff für Lauterbach ist, sondern ein ästhetisches Urteil.
Denn es trifft das Gesicht. Es trifft  die Ausstrahlung. Und die Weiblichkeit.

Öffentlich gelebte Mutterschaft ist Provokation. Stillen im Bundestag ganz klar ein Symbol für Übertreibung und Ideologie.

Aber die Frage ist: Warum eigentlich?

Männer bringen seit Jahrhunderten ihre Vaterschaft mit ihrer Karriere unter einen Hut – weil sie die Care-Arbeit anderen überlassen.  Wenn Frauen nun beides sichtbar verbinden, um beides unter einen Hut zu bekommen, ohne alles auf einen Partner oder die Gesellschaft abzuwälzen, dann gilt das als Provokation.

Die Botschaft, die da mitschwingt lautet:
Stark darfst du sein. Selbstständig auch. Aber sei dabei nicht politisch und schon gar nicht öffentlich Mutter.

Was mich aber fast am meisten irritiert hat, ist der implizite Gegensatz:
Grün = humorlos.
Unpolitisch = souverän und witzig.

Ich bin selbst nicht politisch engagiert, aber ich erlebe, dass  Engagement Leichtigkeit nicht ausschließt. Im Gegenteil:  Gerade Frauen, die politisch arbeiten, brauchen Humor, um nicht zu verzweifeln.

Und ja, ich wähle grün, aber mir ist egal, ob Frau oder Mann. Ich wähle eine Haltung, eine Überzeugung. Weil ich überzeugt bin, dass Klimaschutz und soziale Gerechtigkeit wichtige Themen sind. Punkt.
Aber ich verkneife es mir, etwas zu dem Konfirmanden-Aussehen von Carsten Linnemann zu sagen. Oder dem tatsächlich verhärmt wirkenden Gesicht von Frau Reiche. Ich finde, das gehört sich nicht.

Wie ist deine Meinung dazu?

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