Es gibt diese stille Selbstverständlichkeit, mit der unsere Gesellschaft von Frauen erwartet, alles gleichzeitig zu sein: engagierte Berufstätige, liebevolle Mütter, verlässliche Partnerinnen. Doch bei mir festigt sich allmählich das Gefühl, dass diese Selbstverständlichkeit eher eine als Gleichberechtigung getarnte Überforderung ist.
Frau im Beruf hat nach meiner Wahrnehmung nur in seltenen Fällen etwas mit Emanzipation zu tun, sie ist eine ökonomische Notwendigkeit. Wir entscheiden uns entweder für Teilzeit, mit dem fast sicheren Verzicht auf Karrierechancen, finanzielle Unabhängigkeit und ausreichende Rentenansprüche. Oder für Vollzeit und damit Auslagerung der Kindererziehung an Kita, Ganztagsschule, Babysitter, Großeltern. Beides fühlt sich an wie ein Kompromiss, eher selten wie eine echte Wahl. Und in beiden Fällen ist das Ergebnis Doppelbelastung und das Gefühl, nicht allem gerecht werden zu können.
Kinder brauchen Nestwärme und Zeit, ungeteilte Aufmerksamkeit und gesundes Essen. Wenn dagegen Eltern permanent unter Zeitdruck stehen, wenn nicht mehr gekocht, sondern nur noch erwärmt wird, wenn schon im Kleinkindalter das Smartphone zur Beruhigung eingesetzt wird, wenn flimmernde Bilder kleine Gehirne erreichen, die noch gar nicht bereit sind, sie zu verarbeiten, dann haben wir uns selbst eine Lebenssituation geschaffen, die jedem menschlichen Grundbedürfnis widerspricht.
Ich glaube, eine gerechtere Gesellschaft würde Fortschritt nicht daran messen, wie effizient Menschen in ihr funktionieren, sondern daran, wie gut sie mit Eltern und deren Kindern umgeht.