Darf man feiern, fröhlich sein, Gläser heben, wenn sich die Welt gerade selbst zerlegt? Wenn der Klimawandel (nahezu) ungebremst fortschreitet? Wenn autokratische „Herrscher“ das Allgemeinwohl wie einen lästigen Nebensatz behandeln und Macht zur Privatangelegenheit erklären? Wenn in genau diesem Moment Menschen hungern, frieren, erschossen oder gefoltert werden, während man selbst in der warmen Stube sitzt und Aperol trinkt?
Das sind keine Fragen, die sich kollektiv beantworten lassen. Sie lassen sich nicht abstimmen oder durch kluge Texte entschärfen. Also bleiben sie bei mir hängen. Ich kann sie nur mir selbst stellen – und muss mit den Antworten leben, so unbefriedigend und widersprüchlich sie auch sind.
Wie fühle ich mich, wenn ich ein schönes Wochenende mit lieben Menschen verbringe? Die ehrliche Antwort lautet: gut. Aber nicht mehr so gut wie früher. Die Unbeschwertheit, die sich einst wie ein Grundrecht angefühlt hat, ist brüchig geworden. Sie trägt Bedingungen. Denn die Bilder sind da, sie lassen sich nicht einfach wegschieben. Sie sitzen mit mir am Tisch, auch wenn niemand sie eingeladen hat. Vielleicht ist das der Preis der Gegenwart: Dass Freude sich nicht mehr unschuldig anfühlt. Und dass man sie trotzdem braucht – nicht als Ignoranz, sondern als Widerstand gegen all das Dunkle und Beängstigende, dass wir immer weniger ausblenden können.
Kennt ihr das auch? Freue mich wie immer über eure Kommentare (s. rechts oder ganz unten)