Geht es euch auch so? Ihr blättert morgens durch die Zeitung und habt das Gefühl, unter einer grauen Decke aus Pessimismus zu ersticken. Positive Nachrichten sind kaum zu finden. Berichte über gelungene politische Entscheidungen die seltene Ausnahme. Stattdessen: Krisen, Skandale, ein einziges Scheitern. Tag für Tag wird uns erzählt, dass die Welt schlecht ist und immer schlechter wird, und dass die Politik nicht mehr hinterherkommt. Irgendwann glaubt man es dann selbst.
Vor kurzem habe ich das Buch: Die vierte Gewalt von Richard David Precht und Harald Welzer (auszugsweise) gelesen. „Die Medien bilden nicht mehr nur Wirklichkeit ab, sie schaffen ihre eigene“, heißt es darin. Die beiden beschreiben eine Medienlandschaft, die nicht mehr abwägt, sondern moralisierend vereinfacht. Komplexe Zusammenhänge werden auf Schlagzeilen reduziert, Politiker wahlweise zu Helden oder Versagern erklärt – meistens Letzteres. Damit verlieren die Menschen immer mehr Vertrauen. Denn, wenn uns ständig suggeriert wird, dass das System versagt, erscheint es irgendwann natürlich tatsächlich kaputt. Und genau davon profitieren Populisten wie die AfD, die sich als einzige Alternative inszenieren.
Besonders deutlich wurde diese Dynamik beim sogenannten „Heizungshammer“. Noch bevor es einen offiziellen Gesetzesentwurf gab, veröffentlichte die BILD-Zeitung einen Vorentwurf und machte daraus ein Schreckensszenario. Robert Habeck, der die Energiewende mutig angeschoben hatte, wurde über Nacht zum Feindbild. Aus einem notwendigen Modernisierungsschritt wurde eine Horrorvision von Zwang und Enteignung. Christian Lindners FDP nutzte die aufgeheizte Stimmung schließlich, um jede Veränderung zu blockieren – daran zerbrach die Ampel, so wie auch schon die Vorgängerregierung an internen Grabenkämpfen zerbrach.
Ich frage mich, was wäre denn, wenn Medien nicht nur das Negative betonen würden? Wenn sie sichtbar machten, was klappt, statt nur zu skandalisieren? Eine Schlagzeile wie „Deutschland spart in Rekordzeit Gas“ hätte gezeigt, dass Politik wirken kann. Stattdessen: Heizungshammer.
Ich bin gewiss nicht mit allem einverstanden, was die jetzige Regierung plant oder bereits auf den Weg gebracht hat, und meine Prioritätenliste sähe sicher ganz anders aus. Trotzdem würde ich mir wünschen, dass die Medien sich stärker auf das konzentrieren, was tatsächlich gelingt, statt sich fast ausschließlich auf Skandale und Grabenkämpfe zu stürzen. Denn wenn darüber genauso intensiv berichtet würde wie über Streit und Blockaden, könnte das Vertrauen in Politik und Demokratie wachsen, statt immer weiter zu erodieren.
Eins dürfte doch allen klar sein: Demokratie lebt zwar von Kritik – aber eben auch von Zuversicht. Und wer nur vom Versagen spricht, erntet Verzweiflung. Wer aber auch die Erfolge würdigt, gibt den Menschen den Glauben zurück, dass Veränderungen wirklich möglich sind.