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Zwischen Verlag, Agentur und Unsicherheit: Eine Zwischenbilanz

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Ich bin eine von den Autorinnen, die in den vergangenen Jahren bei renommierten deutschen Verlagen veröffentlichen durften. Auf die Spiegelbestsellerliste habe ich es (bis auf eine Ausnahme) zwar nicht geschafft, aber hinter mir steht eine treue Leserschaft. Es sind insbesondere Frauen, die meine Romane schätzen und sich in meinen Geschichten wiederfinden.

Man kann sagen, dass sich meine Bücher mal mehr, mal weniger solide verkauft haben. Es war ein Arbeitsverhältnis mit einer gewissen Verlässlichkeit. Dann kam Corona, der Lockdown mit geschlossenen Buchläden und dazu eine schwere Krebserkrankung meiner Mutter. Aus privaten Gründen musste ich eine Pause einlegen und in diesen zwei bis drei Jahren hat sich der Markt merklich verändert. Die Verkaufszahlen sind dramatisch eingebrochen, die Verlage im Überlebensmodus.

Wie meine Agentin mir mitteilte, ist auch der Verlag, mit dem ich zuletzt veröffentlicht habe, davon betroffen und dabei, sich neu aufzustellen. Die Sparte „deutsche Frauen-Unterhaltungsliteratur mit Anspruch“, zu der meine Bücher nun einmal gehören, soll künftig weniger bedient werden. Man wolle den Fokus verschieben, heißt es – was im Klartext bedeutet: Ich passe nicht mehr ins Programm.

Das ist ein Schlag. Auch wenn ich nicht zu den Autorinnen gehört habe, die von ihren Büchern leben konnten, schreibe ich doch professionell. Mit Leidenschaft und Routine. Ich arbeite eng mit meiner Agentur zusammen und investiere viel. Zeit, Herzblut, Gedanken.

Jetzt habe ich ein neues Manuskript vorgelegt. Meiner Agentin gefällt es sehr gut, doch sie ist realistisch und die Situation im Buchmarkt nach wie vor angespannt. Viele Verlage halten sich mit Neuverträgen zurück, besonders wenn es um Autor*innen geht, die keinen großen Bestseller-Rückenwind haben. Ihr erster Impuls war, es unter einem geschlossenen Pseudonym anzubieten, doch inzwischen hat sie sich mit ihren Kolleginnen abgestimmt, und nun wollen sie es doch mit meinem Namen versuchen. Doch nicht nur ich muss den Gürtel enger schnallen. Die finanziellen Angebote der Verlage gehen für alle, die nicht Fitzek oder Nele Neuhaus heißen, seit Jahren zurück. Geld, das am Ende auch den Agenturen fehlt.

Das alles lehrt mich viel: über den Literaturbetrieb, über wirtschaftliche Mechanismen, über die Bedeutung von Netzwerken, Sichtbarkeit und Durchhaltevermögen. Es zeigt mir, wie schnell sich Türen schließen, wenn man sich wie ich im klassischen Midlist-Limbus befindet. Ich bin sichtbar, aber nicht prominent. Ich habe Leserinnen, aber keine mediale Präsenz. Ich habe bereits veröffentlicht, aber nicht in einer Auflage, die Verlagshäuser jubeln lässt.

In der Zwischenzeit erlebe ich vieles, was für unsere Branche typisch ist – und oft verschwiegen wird: finanzielle Unsicherheit, emotionale Achterbahnen, kreative Selbstzweifel, aber auch unerschütterliches Weitermachen. Ich weiß, dass viele von uns, die schon bei renommierten Verlagen veröffentlicht haben, derzeit genau am gleichen Punkt stehen. Dabei habe ich noch Glück: Ich bin seit über vierzig Jahren verheiratet und lebe in sogenannten „gesicherten“ Verhältnissen. Andere haben das nicht und im besten Fall noch einen „Hauptberuf“, der ihnen das Einkommen sichert. Wieder andere versuchen es mit Selfpublishing. (Das kommt für mich allerdings nicht in Frage, ich bin wirklich schlecht darin.)

Wie auch immer. Ich bin wieder da und ich bleibe dran. Was mich trägt, ist der Rückhalt durch meine Agentur und sind die Rückmeldungen meiner Leser*innen. Grund genug, um weiterzumachen.

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