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Zwischen den Stühlen

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Nach vier Jahren Pause versuche ich gerade, wieder auf dem Buchmarkt Fuß zu fassen.
Ein großer Teil dieser Pause war nicht freiwillig. Meine Mutter war krank, sehr krank.
Über zweieinhalb Jahre habe ich sie begleitet, bis zu ihrem Tod. Danach musste ich erst einmal wieder Luft holen – im Leben und im Schreiben.

Vor einem Jahr habe ich ein neues Manuskript fertiggestellt.
Meine Agentur hat es meinem bisherigen Verlag vorgelegt. Die Geschichte: zwei Familien, eine davon mit jüdischen Wurzeln. Verstrickungen, die bis in die Gegenwart reichen.
Die Antwort war kurz und klar: zu schwer, zu weit weg von der Lebensrealität der Leserinnen.

Also habe ich ein neues Projekt begonnen.
Diesmal so nah wie möglich an der Realität: die Boomer-Generation, ihre Geschichten, ihre blinden Flecken.
Meine Agentin war begeistert und hat das Manuskript gleich an mehrere Verlage geschickt.

Und dann kamen die Absagen.

„Ich finde, dass sie wirklich gut schreibt, sich gut einfühlt in ihre Protagonistinnen,
aber letztlich fehlt uns der Aufhänger, um mit der Autorin einen neuen Auftritt zu wagen.“

Oder:

„Die beiden Perspektiven bieten eine abwechslungsreiche Lektüre, man bleibt da durchaus dran.
Mir gefällt, dass Barbara Kunrath kitschfrei erzählt.
Die politischen Verweise würde ich etwas runterdimmen, auch wenn sie für die Boomer-Generation typisch sind.
Die Geschichte bietet viele Identifikationsmöglichkeiten – vielleicht sogar zu viele.
Denn viele Leserinnen suchen eher Eskapismus als Realismus.“

Oder:

„Wir tun uns hier gerade schwer mit solchen Stoffen,
auch wenn einige auf dem Markt Erfolg haben.
Du hast Barbara Kunrath ja erzählt, dass wir in diesem Bereich vorsichtig sind.
Ich habe ihren Blog gelesen – etwas bitter geschrieben, aber wahrhaftig.
Ich weiß solche ehrlichen Stimmen zu schätzen, deshalb fällt mir die Absage nicht leicht.“

Noch haben sich nicht alle Verlage gemeldet.
Aber die Hoffnung schrumpft – mit jedem Tag ein bisschen mehr.
Und je kleiner sie wird, desto größer wird die Frage: Warum?

Vielleicht liegt es an der langen Pause.
Vielleicht daran, dass zwei meiner früheren Bücher als große Titel angelegt waren –
mit Marketingbudget, Anzeigen, Social-Media-Kampagnen, Vorab-Lesen-Aktionen.
Und dass der ganz große Erfolg, der monatelange Platz auf der Bestsellerliste, ausblieb.

Vielleicht auch daran, dass mein neues Manuskript zwischen die Stühle fällt.
Nicht klar Unterhaltung, nicht klar Literatur. (Ich wollte beidem gerecht werden – und habe damit wohl keinem Programm wirklich gepasst.)

Dazu kommt der Zeitgeist:
Viele Programme setzen auf Diversität, Klima, Coming-of-Age, queere Themen.
Alles wichtig.
Aber andere Themen geraten so in den Hintergrund.

Am Ende aber, so glaube ich jedenfalls, stellen sich die Verlage wahrscheinlich eine ganz einfache Frage:

„Bekommen wir einen neuen Titel mit diesem Namen noch in die Buchhandlungen?
Oder greifen wir lieber zu einem Debüt, das wir ganz neu aufbauen können?“

Die Antwort fällt wohl eher zugunsten des Debüts aus. Ich glaube, genau das passiert mir gerade.

Mich würde interessieren:
Gibt es andere Autor*innen, die diese Erfahrung teilen?
Dieses Warten, diese vagen Begründungen, dieses Gefühl, gut zu sein – aber nicht der richtige Name zur richtigen Zeit? Dann schreibt mir bitte.

Wie ist deine Meinung dazu?

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